Geldwerte und Festzinsanlagen gehörten zu den beliebtesten Anlageformen der Deutschen. Zum einen boten gute Emittenten eine höchstmögliche Sicherheit und der Festzins stellte ein verlässliches passives Einkommen dar, das auch geeignet war, die Rentenlücke zu füllen. Diese, über viele Jahrzehnte andauernde Liebe zu dieser Anlageform ist erloschen. Anstatt eine bewährte Anlageform vor Wertverlusten durch Inflation zu schützen, haben es sich die Notenbanken dieser Welt zur Aufgabe gemacht, Vollbeschäftigung zu erzielen. Koste es, was es wolle!

Was sind klassische Geldwerte und Festzinsanlagen? 

Bei klassischen Festzinsanlagen in Form von Anleihen, Sparbüchern, Lebensversicherungen usw. spricht man von Geldwerten. Der Anleger gibt Geld und erhält im Gegenzug einen Rückzahlungsanspruch und einen Zinsanspruch in Form von Geld. Es gibt wenige Ausnahmen von dieser Anspruchsregelung. Genannt werden muss hier die Wandelanleihe, bei der, je nach Ausgestaltung, der Anleger oder der Emittent, wählen kann, ob der Anleihebetrag zum Ende der Laufzeit zurückgezahlt oder in Aktien des Emittenten gewandelt wird. 

Beim Zinsanspruch sind folgende Ausnahmen zu nennen: 

  1. Bei der Null-Coupon-Anleihe werden keine Zinsen vergütet. Die Anleihe wird zu einem niedrigen Kurs ausgegeben und dann zum Nominalbetrag zurückgezahlt. 

 

  1. Aktuell gibt es die merkwürdige Situation, dass der Anleger bei vielen Festzinsanlagen Zinsen an den Emittenten zahlen muss. Merkwürdig ist dies vor allem, weil die Verkehrung des Zinsanspruches nicht den Marktkräften geschuldet wird, sondern durch dirigistische Maßnahmen der Notenbanken künstlich erzeugt wird. Angeblich soll es dadurch gelingen, großen Krisen die Brisanz zu nehmen. Seither werden große Krisen in immer kürzeren Abständen virulent. Es scheint fast so, als bräuchte man immer neue Krisen, weil die Wiedereinführung von Zinsen den Kollaps vieler Staaten, Firmen und Privatpersonen auslösen würde. 

Was besagt die neue Geldwerttheorie der Notenbanken?

Möglich ist die Negativzinspolitik, weil die Notenbanken eine Möglichkeit ausgegraben haben, alle geldpolitischen Ziele erreichen zu können, indem einfach sehr viel Geld gedruckt wird, welches dann kostenlos verteilt wird. An der zugrunde liegenden Geldwerttheorie wird bereits seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts herumgebastelt. Die Notenbanken sprechen dennoch von der “Modern Money Theroy” (MMT). Dabei beunruhigt den staunenden Beobachter wahrscheinlich nicht die Frage, ob die Geldwerttheorie modern oder altbacken ist. Vielmehr ist es der Namensteil Theorie, bei dem man doch unwillkürlich denkt: Haben wir noch nie gemacht! Müssen wir mal sehen, was das rauskommt!

Wie kann eine Liquiditätsreserve angelegt werden?

Die Anlage von Geldern in Geldwerten und Festzinsanlagen aller Art ist daher nicht ganz einfach, zumal nach wie Wertverluste durch Inflation entstehen und etwaige Erträge zu versteuern sind. Vollständig auf Geldwerte zu verzichten ist jedoch schon deshalb nicht möglich, weil Liquiditätsreserven vorhanden sein sollten, die eventuell kurzfristig benötigt werden und daher nur als Geldwert angelegt werden können. Die Alternative, Bargeld anzusammeln, dürfte nur für überschaubare Summen in Betracht kommen. Ausschlaggebend dafür ist nicht nur das Risiko der Bargeldhaltung, sondern der Umstand, dass Bargeld heute nur noch für die Begleichung kleinerer Beträge Verwendung findet.

Autor: Ralf Schimpf